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Nonstopp über Großglockner und Brenner

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Oben am Großglockner waren wir zuletzt 2019 und sind nach Heiligen Blut auf der Südseite abgefahren, um dort zu übernachten und am nächsten Tag den Rückweg zu absolvieren. Dieses Mal sollte es eine Runde werden. Da eine Durchquerung des Felbertauerntunnel für Radfahrer nicht erlaubt ist, musste die Rückfahrt durchs Pustertal und über den Brenner zurück erfolgen.

Diese Runde hat allerdings deutlich über 400 Kilometer und 5000 Höhenmeter. Eine Nachtfahrt war folglich unausweichlich. Als Startort wählten wir Kiefersfelden bei Kufstein. Von dort ging es weiter über St. Johann nach Bruck zum Fuß der Großglockner Hochalpenstraße. Große Abschnitte dorthin konnten wir auf dem Radweg zurücklegen, um dem starken Verkehrsaufkommen auf der Straße zu entkommen.

Zum Dach der Tour

Am Billa-Supermarkt in Bruck stärkten wir uns und nahmen Wasser für unsere Trinkflaschen auf. Die ersten zehn Kilometer waren moderat ansteigend. Doch bereits vor der Mautstation Ferleiten zeigten Steigungsprozente an, wo der Hammer hängt. Bis Pifka kämpfte ich mich durch und steuerte schnurstracks den Brunnen an.

Leider hatte ich kein Gel mehr im schnellen Zugriff und wich auf einen Riegel aus. Ich biss ab, konnte aber nicht recht schlucken. Damit erklomm ich das untere und obere Nassfeld, bis ich endlich das Fuscher Törl passierte. Oben setzte ich mich erst einmal hin und kümmerte mich gleich um den Riegel. Jetzt in aller Ruhe konnte ich ihn aufessen.

Das Panorama war überwältigend. Als Niels ankam, verloren wir nicht viel Zeit und Worte. Wir setzten den Weg zum Hochtor fort. Tatsächlich hatte ich mich besser erholt als gedacht, so dass der Tritt aufwärts bis zum Tunnel hinauf keine argen Mühen bereitete. Mit letzten Bildern am Hochtour auf 2504 Meter Höhe folgte jetzt eine lange Abfahrt.

Über Ost- und Südtirol zurück nach Nordtirol

Nach rund 40 Kilometern machten wir in Winklern am Supermarkt Halt, auch um Verpflegung für die Nachtfahrt mitzunehmen. Über den Iselberg ging es nach Lienz in Osttirol. Bis zum Pizzaessen am Helmhotel kurz vor Innichen auf Südtiroler Gebiet nutzten wir größtenteils den Drau-Radweg. Durch die fortgeschrittene Zeit waren kaum andere Radler mehr unterwegs.

Das Pustertal hinab wechselten wir zwischen Radweg und Straße. Es wurde zunehmend frischer in der Nacht. Ab Franzensfeste begann der Aufstieg zum Benner von Süden her. Da es bereits mitten in der Nacht war, hatten wir die Straße für uns. Bis Sterzing war die Steigung moderat. Ab Sterzing waren es noch 16 Kilometer bergauf, die wir bisher nur abwärts gefahren waren. Kälte trieb an, beherzt in die Pedale zu treten.

Der Anstieg war dadurch kurzweilig. Am Brenner oben war es wärmer als in Sterzing unten, weil es windstill war. Auf der Abfahrt stellte sich die Kälte mit dem Fahrtwind wieder ein. Auch mit Jacke und Armlingen drang sie ein. Schlaflosigkeit und Erschöpfung wirkten. Der Bahnhof in Matrei bot eine Insel zum Aufwärmen für ein paar Minuten.

Frühstück in Innsbruck

Auf der Abfahrt nach Innsbruck dämmerte es. Meine Lupinelampe flackerte und ging aus. Der zweite Akku war somit leer. Zum Glück war es bereits hell genug. In Innsbruck kehrten wir beim Ruetz zum Frühstück ein. Die Morgensonne brachte auf der Weiterfahrt angenehme Wärme mit.

Die Kilometer bis nach Kufstein zogen sich und forderten meine Geduld heraus. Die Quälerei am Glockner-Anstieg und Kälte am Brenner in der Nacht hatte ich erwartet, aber die letzten 20 Kilometer ließen mich ungeduldig werden. Mit 420 km hatte ich gerechnet. Am Ende waren es zurück in Kiefersfelden 440 km und knapp 5200 Höhenmeter.

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