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Unter Flusspferden und Elefanten

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Dass Flusspferde nur nachts aus dem Wasser kommen, um zu grasen, ist ein Mythos aus dem Fernsehen. Sicher aalen sie sich tagsüber gern im Wasser. Doch auf ufernahen Weideplätzen am Unteren Sambesi sind sie auch tagsüber zu sehen. Das ist kein Einzelfall, sondern begegnet uns immer wieder, wenn wir mit dem Kajak in Ufernähe vorbei fahren. Dabei gilt es, den Flusspferden den Vortritt ins tiefe Wasser zu lassen, auch wenn das bedeutet, ihnen sehr nahe zu kommen. Ungewohnt ist es allemal. Mit der Zeit ist es wie ein aufmerksamer Gang durch den Regenwald, bei dem ich nicht auf eine Giftschlange treten möchte. Die Gefahr ist damit handhabbar.

Wir sind anders als dort sonst üblich ohne Führer mit unserem Zweierseekajak auf dem Unteren Sambesi in Sambia unterwegs. Im Camp an unserem Startort am Kafurfluss geben sie uns die Vorfahrtsregel für Flusspferde mit auf den Weg. Erfahrungen aus dem Okawango-Delta bringen wir mit. Für die Fluss-Safari ist ausreichend Trinkwasser mitzunehmen. Wer möchte schon Wasser trinken, in dem unzählige Flusspferde leben und ihre Verrichtungen vornehmen. Knapp zwei Wochen geht es den Sambesi hinab und auch wieder aufwärts. Nur auf unserer letzten Fahrt im Herbst 2016 paddeln wir in Etappen bis Luangwa durch, einem Ort, an dem der Fluss mit gleichlautenden Namen in den Sambesi mündet. Von hier aus geht es mit dem Bus mitsamt Boot und Gepäck zurück in die Hauptstadt Lusaka.

Die Temperatur erreicht im November an Land nicht selten 40 Grad. Auf dem Fluss ist es dagegen fast frisch, wenn sich dazu Wind einstellt. Allerdings kann dieser von vorne auch kräftig werden und das Vorankommen schwermachen. Elefanten sehen wir wie Flusspferde nahezu jeden Tag. In seichteren Gewässern durchqueren sie den Fluss, um von einer Insel zur nächsten zu gelangen. Stehen sie am Ufer, ist dennoch nicht zu befürchten, dass sie ein einen Satz ins kühle Nass machen. So ist nahes Heranpaddeln möglich.

Krokodile tauchen in der Regel ab. Bei einer Pause sitze ich neben dem Kajak am Ufer. Da schießt ein Krokodil von einer oberen Landstufe am Kajak vorbei ins Wasser. Es geht so schnell, dass ich nur aus dem Augenwinkel wahrnehme, dass es länger als 5 Meter gewesen sein muss, weil es länger als unser Kajak war. Ein kleineres Exemplar taucht auf der Strecke in der Sambesi-Schlucht im tiefen Wasser ziemlich nah vor mir ab. Wenig später höre ich einen Schlag. Niels hat dem Jungtier einen Schlag mit dem Paddel auf dem Kopf versetzt, weil es offensichtlich hinten ins Kajak beißen wollte. Die bewegliche Metallflosse der Steueranlage weckte vielleicht den Jagdinstinkt des Krokodils.

Liegt beißender Verwesungsgeruch in der Luft, treibt zumeist irgendwo ein totes Flusspferd im Fluss. Auf unserer engen Durchfahrt eines Nebenarms des Sambesi ist dieser ätzend beißende Geruch schon von weitem auszumachen. Als wir in nur wenigen Metern Abstand am toten Flusspferd vorbei paddeln, sehen wir drei bis vier Krokodile, die sich am Kadaver zu schaffen machen. Da der Gestank nicht auszuhalten ist, sehen wir zu, dass wir weiter kommen. Außerdem ist der Nebenarm länger als gedacht, und die Vorstellung, hier wieder raufzumüssen, wenn es doch keinen Zufluss zurück zum Hauptarm gibt, strapaziert meine Nerven. Dazu ist alles näher und enger. Hier einen Lagerplatz zu finden, ist vor lauter Dickicht schwierig. Zum Glück erreichen wir wieder den Hauptarm.

Gute Lagerplätze sind gesucht. Liegt ein Platz in einer Art Bucht und muss auf einem Kanal durch Grünzeug angesteuert werden, ist Baden möglich. Krokodile mögen solche Orte nicht, aber Flusspferde. Am Abend und in der Nacht grunzen sie. Im Zelt fühle ich mich durch das Grunzen beruhigt. Es klingt friedlich. Da draußen geht alles seinen gewohnten Gang. Wenn Elefanten und Flusspferde aufeinander treffen, ist die Geräuschkulisse aufgeladen. Dann ist es besser, lieber nicht nach draußen zu gehen. Ruhiges Grunzen signalisiert hingegen, dass Nichts zu befürchten ist.

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