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An die Riviera

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Bis Ligurien ans Mittelmeer sind es von München gute 700 Kilometer. Zwei längere Anstiege liegen auf dem Weg, der Brenner und der National Park Giovo Ligure mit gleichnamigem Pass. Morgens gegen 9.30 Uhr am 30. Juni 2018 starten wir im bewährten Zweier-Team. Die ersten Abschnitte führen nach Lenggries im Alpenvorland, dann weiter ins Inntal und zum Brenner hinauf und von dort nach Bozen zum Pizza- und Pastaessen. Das Wetter ist stabil. Leider ist der Gegenwind Richtung Rovereto noch nicht ganz eingeschlafen. Ein Stopp am Bici Grill soll helfen, dass die starken Böen abnehmen. Das gelingt fast.

Von Nago geht es auf direktem Weg über Torbole nach Riva. Die Passage von Riva nach Salo am Gardasee ist am Tag wegen langer Tunnel keine wirkliche Empfehlung. In der Nacht ist wenig Verkehr. Teilweise geht es im langen beleuchteten Tunnel bergauf, bevor sich vor einem Blicke über den See bei Nacht eröffnen. Dieser Abschnitt ist spannend.

Kurz vor Sieben kommen wir in Brescia nach guten 450 Kilometer an. In einem Cafe warten wir die Frühstücks-Croissants ab, um uns für die 250 Kilometer ans Meer einwenig zu stärken. 200 Kilometer davon führen durch die Po-Ebene, die sich im Tagesverlauf enorm aufheizt. Stopps zur Verpflegung und vor allem für kalte Getränke sind ein Muss, diese Glut zu durchfahren. Den Po selbst überqueren wir nach etwa 100 Kilometern. Die notorisch schlechten Straßen machen das Fahren nicht gerade angenehm. Sie rütteln einen immer wieder kräftig durch. Wenn ein Fahrzeug kommt und überholt, ist kein Ausweichen möglich.

Das nächste Ziel ist Tortona. Der Ort klingt nicht nur nach Tortur. Für mich kündigen sich die schwersten Kilometer auf der Strecke an. Die Mittagsglut hat Raum gegriffen. Mit einer lokalen Radgruppe fahren wir mit und halten an einem Cafe zur Erfrischung. Leider zeigt meine Verdauung Schwächen. Die Aufnahmekapazität lässt nur noch Flüssiges zu. Es geht, bildlich gesprochen, an den Tropf mit Cola und Gels. Sonst ist die Tour in Kürze für mich gelaufen.

Einige Kilometer vor Tortona halten wir an einem Lidl wegen kalter Getränke. Die Schlange an der Kasse ist lang. Es ist Sonntag und dauert und dauert. Leider gab es keine gekühlte Cola. Nur Trinkjogurt ist zu haben. Den mag ich auch, aber jetzt nicht. Bei meinem angeschlagenen Magen ist mir das zu kritisch. So muss ich noch über gute 10 Kilometer bis zum Supermarkt in Tortona auf eine kalte Cola warten, mit der ich mir das Gel einhelfen kann.

Geschafft, aber wie. Acqui Terme liegt immer noch 48 Kilometer entfernt von hier laut Routencheck auf der Karte. 40 Kilometer jammere ich mich über die Straßen. Seit einiger Zeit herrscht außerdem Gegenwind. Mental ist das der wirkliche Schlag ins Gesicht. Bei Gegenwind den Brenner hochzufahren, ist kein Vergnügen. Etwa so lang ist auch die Distanz von Acqui Terme zum höchsten Punkt am Übergang zum Meer. In diese furchterregenden Überlegungen mischt sich mein Mantra: Schnellheilung mit Cola und Gels.

Etwa 10 Kilometer vor Acqui Terme halten wir an einem Dorfcafe, um noch kalte Getränke abzufassen. Es ist einfach zu heiß. An der Bar nehme ich dazu ein kleines Päckchen Butterkekse, eine Art Heidesand, mit. Die esse ich zu meiner Cola. Oh Wunder, sie schmecken hervorragend, das Beste, was ich auf der gesamten Strecke gegessen habe. Wow. Bis zum Supermarkt in Acqui Terme für die Abschlussstärkung geht es mir etwas besser. Ab Acqui Terme geht es nach Sassello bergauf, auch bei mir. Mein Partner hat mir das vorher schon prophezeit. Doch glauben konnte ich das in meinem Tortona-Tief keinesfalls.

Jetzt läuft es bei mir sogar wieder richtig rund. Nur zeitlich haben wir zu tun, dass wir die letzten Lichtstrahlen des Tages nutzen können. 30 Kilometer sind es nach einem Pass auf guten 400 Metern bis zum höchsten Punkt auf 513 Meter am Giovo Ligure und 20 Kilometer abwärts über Albisola nach Savona. Am Ende unserer diesjährigen Langstrecke sind 707 Kilometer absolviert.

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